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Wo einst Allgäuer
Glasbläser das Leben im Kreuzthal
bestimmt haben
von ©
Peter Treiber
Übersicht
Peter Treiber
hal
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Fährt man auf der Landstraße von Isny in Richtung
Leutkirch, so weist gleich hinter Friesenhofen eine Abbiegung
nach rechts in Richtung Hinznang und Winterstetten und schließlich
nach Kempten. Auf dieser Straße gelangt ma, wenn man in
Richtung Kreuzthal wiederum nach rechts abbiegt, zum Glashüttendorf
Schmidsfelden. In diesem Glasmacherdorf, das unter Denkmalschutz
steht, wurde noch bis 1898 Glas produziert. Diese ehemalige Glashütte
wurde in den letzten Jahren auf Initiative der " Heimatpflege
Leutkirch e.V." renoviert. Heute sieht man noch Glasöfen
und Geräte., mit denen die Glasbläser ihre kunstvollen
Gläser hergestellt haben. Auch über die Geschichte des
Glasbläserdorfes und über die vielfältigen Produkte
können können sich die Besucher informieren. Im Café
des Glasbläserdorfes kann nach ausgedehnter Besichtigung
eingekehrt werden. Das traditionelle Glashüttenfest im September
bietet Informationen rund um die vergangenen Zeiten der Glasbläserei
in Schmidsfelden.
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Das etwas abgelegene Kreuzthal , in
dem vor Jahrhunderten unwegsame Wälder und Quarz vorgefunden
wurde, scheint die richtige Gegend für die Glasbläserei
gewesen zu sein. Befreit von den Zwängen der Zünfte konnten
abseits der Städte die Glasbläser ihr kunstvolles Handwerk
ausüben. Charkteristisch für diese Zeit war die Einheit
von Wald,Landwirtschaft und kleiner Industrie, meint Rudi Holzberger
in seinem Beitrag im Oberland.
Weiter schreibt der Autor, dass die Glasbläser in Schmidsfelden
"keineswegs arme Schlucker waren". " Ohne die Aussicht
auf einen guten Verdienst hätten sie sich auch kaum von weit
her ins Allgäu locken lassen", meint Manfred Felle in
seiner Dissertation. Mit 14 Jahren begann die Lehre am Glasofen,
die rund vier Jahre dauerte.
Neben handwerklichem Können war vor allem das Trainieren
der Lunge gefragt. Der nicht ungefährliche Umgang mit flüssigem
Glas wurde von erfahrenen Glasbläsern an die Lehrlinge weitergegeben.
Die Glasmacher stammte vor allem aus dem Schwarzwald und aus Böhmen,
später auch aus dem Bayerischen Wald, von der Schwäbischen
Alb, aus Sachsen und Thüringen. " Zwischen 1835 und
1848 kamen bei gleichbleibender Beschäftigungszahl noch 26
Glasbläser neu nach Schmidsfelden." schreibt Rudi Holzberger
in seinem Bericht in der Zeitschrift Oberland.
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Allerdings hegten die Bauern einiges Mißtrauen gegen die
fremden Handwerker, die in ihre bäuerliche Welt einzudringen
drohten. Sie Glasbläser verdienten mehr als einheimischen
Bauern, sie sollen sich in ihrer Freizeit öfters betrunken
haben , denn ihr Arbeitsplatz war ja gar so heiß und machte
durstig. Auch sollen ihre Beziehungen zu den Bauerntöchtern
oftmals gar nicht der damaligen Moral entsprochen haben, was aus
den Kirchenbüchern hervorgegangen sein soll. Mit dem Bau
der Eisenbahnen und mit der Ankunft der modernen Zeit zersprang
der " gläserne Traum" . Die Bevölkerung des
Kreuzthals begann von 800 auf 300 zu sinken. Die Glasbläser
wanderten ab und Schmidsfelden, das Glasbläserdorf, träumte
verstaubt und vergessen vor sich hin. Das zwanzigste Jahrhundert
scheint spurlos vorübergegengen zu sein, bis es in den Neunziger
Jahren wieder entdeckt, renoviert und unter Denkmalschutz gestellt
worden ist.
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Noch ein persönliches Wort in eigener
Sache:
Ich war von 1968 bis 1973 Lehrer in Rohrdorf, einem Isnyer Teilort.
Häufig habe ich das Kreuzthal und Schmidsfelden besucht. Seit
der Renovierung habe ich Schmidsfelden mehrere Male aufgesucht,
mit Menschen aus dem Dorf gesprochen und Führungen mitgemacht.
Ich kann einen Besuch dort nur empfehlen. Wandern Sie danach auf
die Adelegg oder auf den Schwarzen Grat. Die Gegend ist einsam aber
wunderschön.
So wird Ihnen bei einer Rast im Wald oder in einem der Gasthäuser
am Wegesrand sicherlich die Geschichte vergangener Zeiten in vielfältigen
Dokumenten oder Erzählungen begegnen.
Viel Freude bei den Allgäuer Glasbläsern wünscht
Peter Treiber
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Text und Fotos: Peter Treiber
Quellennachweis: Zeitschrift " Im Oberland " Heft 2, 1992,(S.
18) " Die zersprungene Zeit"
Beitrag von Rudi Holzberger
Dissertation : Manfred Felle, Isny, Zeitschrift " Im Oberland"
Heft 2, 1998 "
Neues Museum in der ehemaligen Glashütte Schmidsfelden (S. 61) von
Dr. Manfred Thierer,
Internetseite von Leutkirch: Historische Glashütte mit Museum , Schmidsfelden
Peter Treiber
Oflingser Weg 26
88239 Wangen
Tel. 07522/ 2 18 55
E-Mail: peter.treiber@eplus-online.de
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