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Sitten und Bräuche bei den Ladinern

 

..... der St. Nikolaus- (6.12.) und St. Luzientag (13.12.) , die Gäbentage für die Kinder, ersterer für die Buben, letzterer für die Mädchen. Mit der Einbeziehung des Luzientages in das ladinische Brauchtum findet dieses zu ähnlichem Brauchtum in verschiedenen deutschen und andersvölkischen Landschaften Anschluß. Ohne Zweifel dürften beide Feiertage auf vorchristliche Einrichtungen zurückgehen. Begreift man St. Lucia als Gestalt der mittwinterlichen Rauchnächte, so finden diese selbst in Ladinien durch ein interessantes Brauchtum am Dreikönigstag (an "Piffania") eine sehr einprägsame Schlußfeier.

An diesem Tage werden nämlich hierzulande sämtliche am Vorabend eingesammelte alte Besen auf einer öffentlichen Stätte im Beisein der Dorfschaft nächtlicherweile verbrannt. Mit ihnen sollte wohl gleichsam auch Unrat und Böses, wie es sich das Jahr über angehäuft hatte, vernichtet swerden. Die dem Besen zukommende Aufgabe der Reinigung hatte hier offensichtlich eine übertragene Bedeutung erhalten. Sie begegnet uns übrigens auch in den früher weitverbreiteten Besenopfern.

Beim Verbrennen der Besen über einem Holzstoß werden diese von den Leuten angefaßt und eine Zeitlang geschwungen, wobei, wie J. Colleselli berichtet, der für ihn unverständliche Spruch ausgerufen wird: "Brot und Wein, Brot und Wein, und die Hexe auf den Kamin"". Zum Verständnis des Spruches ist zu sagen, daß er im ersten Teile große Ähnlichkeit mit den Segenssprüchen am "Funken- oder Kassunntag" besitzt, in seinem zweiten Teile aber wohl die winterliche Hexe (Vorgängerin St. Luziens?) vertreiben soll, welche nachfolgend in der Nacht denn auch als Kinderschreck in den Dörfern umgeht und die Bezeichnung "Donassa" trägt (altes Weib?)20. Begreiflich, daß die dem Feuer beiwohnenden Kinder an diesem Abend schnell mit den Eltern nach Hause eilen, um dem dem Krampus ähnlichen Schreck und dem ihn begleitenden unheimlichen Lärm und Kettengerassel zu entgehen.

Die Fasnacht gilt bekanntlich als Ausklang des alten winterlichen Brauchtums. In den ladinischen Talschaften drängen sich dabei zwei Tage in den Vordergrund, der fette oder schmutzige Donnerstag, die sogenannte "Suova grassa" und der Fasnachtsdienstag. Wie beide Wochentage ihre Namen auf germanische Gottheiten zurückführen, dürfte auch der fette Donnerstag, bzw. das dabei beobachtete fette bzw. Schweinefleischessen in diesem Kult seinen Ursprung haben. Im Fasnachtsdienstagumzug fallen wieder drei Brautpaare, ein jüngeres, älteres und ein Witwerpaar auf. Man wird sie als ehemalige Fruchtbarkeitsträger und deren Parodie verstehen müssen.


Von
Karl Ilg, Innsbruck
Sitte und Brauch bei den Ladinern
aus "Ladinien Land und Volk in den Dolomiten", Jahrbuch des Südtiroler Kulturinstitutes 1963/64., Athesia, Bozen

Sagen und Besen

 

Datei erstellt: 03.10.2001 von Holger Reuchlin
zuletzt geändert: 12.09.2002 von Holger Reuchlin

 

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